Social Recruiting: So finden jetzt Unternehmen Mitarbeiter im Netz

Schweizweit haben Firmen schon seit vielen Jahren mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen.

Gleichzeitig werden eigene Online-Aktivitäten immer wichtiger, wenn Unternehmen vor allem junge Talente erreichen wollen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Personalsuche auf Facebook, Instagram und Co. einen immer höheren Stellenwert.

Soziale Netzwerke – Tummelplätze der jungen High Potentials

Vertreter vieler Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen erwarten, dass die Bedeutung von Social Media für das Personalmarketing zunimmt. Ihrer Meinung nach werden die sozialen Plattformen fürs Recruiting noch wichtiger als für Image oder Absatz. Das ergab eine 2020 erschienene Untersuchung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Bernet Relations AG.

Demzufolge findet die Suche nach jungen Fachkräften immer öfter dort statt, wo sie sich vermehrt aufhalten – im Netz. Wie intensiv die Schweizer dort unterwegs ist, beweist eine ebenfalls im vergangenen Jahr erschienene Studie der Marketing-Agentur Xeit: Die Untersuchung hat gezeigt, dass sie die meiste Zeit bei Facebook, Instagram und Youtube verbringen, wenn sie online sind. Dabei hat ihre verbrachte Gesamtzeit vor dem Bildschirm deutlich zugenommen.

Die fürs Social Recruiting besonders wichtigen Plattformen wie Facebook und Instagram werden recht häufig genutzt, um sich online mit Firmen zu verbinden. Junge Menschen sind besonders bei Instagram aktiv: Laut der Xeit-Studie verwenden 84 Prozent der Unter-Zwanzigjährigen das Netzwerk, um einem oder mehreren Unternehmen im Netz zu folgen.

Allerdings halten viele der befragten Nutzer den Firmen nicht immer dauerhaft die Treue: Viele springen wieder ab, wenn die Inhalte auf den Unternehmenspräsenzen für sie nicht oder nicht mehr relevant sind. Gleichzeitig erfreuen sich Stories als Social Content grosser Beliebtheit, wie die Untersuchung belegt hat – und bei den Jüngeren sind Umfragen besonders geschätzt.

Angesichts derart intensiver Nutzung ist das Recruiting in den sozialen Plattformen ein Trend, der die HR-Abteilungen in den Unternehmen zunehmend beschäftigen wird.

Networks mit unterschiedlichen Altersgruppen

Die Online-Welt ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken – fast jeder, der in den letzten Jahren studiert hat, ist mit ihr aufgewachsen und in mindestens einem sozialen Netzwerk vertreten. Beim Social Recruiting suchen Personalberater und HR-Fachleute deshalb gezielt nach jungen Fachkräften und Hochschulabsolventen bei Facebook und Co.

Die Auswahl der Netzwerke hängt dabei vom Alter der Zielgruppe ab. Tendenziell sind jüngere Fachkräfte eher bei Instagram unterwegs, wie die Xeit-Studie gezeigt hat, oder auch bei YouTube. Die etwas Älteren finden sich vornehmlich in Karrierenetzwerken wie Xing oder LinkedIn.

Direkte Ansprache, kurze Anzeigen und eine klare Strategie

Es gibt mehrere Wege, mit interessanten Kandidaten ins Gespräch zu kommen. Der direkteste führt über eine private Nachricht, zum Beispiel bei Facebook oder LinkedIn. Eine Alternative sind kurze, aufmerksamkeitsstarke Stellenanzeigen-Postings bei Facebook.

Flankierend können kurze Videos veröffentlicht werden, welche die Vorzüge des Unternehmens betonen, das personelle Verstärkung sucht – beispielsweise Benefits oder besonders spannende Aufgaben im Job.

Wichtig ist, dass die HR-Aktivitäten einer durchdachten Strategie folgen. Ein wichtiger Punkt ist hier die Ansprache: In sozialen Netzwerken mit jüngeren Nutzern wie etwa Facebook oder Instagram wird sich in der Regel geduzt, auf den Karriereportalen wie Xing und LinkedIn empfiehlt sich eher das „Sie“. Der Umgangston darf gern locker und informell sein. Unternehmensvertreter sollten aber trotzdem darauf achten, stets seriös und verbindlich in ihren Aussagen zu sein.

Personalanzeigen und andere Postings sollten durchgängig dem Look der jeweiligen Corporate Identity entsprechen, damit sie vom eigenen Markenauftritt profitieren.

Bei der Kommunikation in sozialen Netzwerken kommt es darauf an, kontinuierlich dabei zu sein. Nicht oder spät beantwortete Rückfragen etwa werden schnell als Arroganz oder mangelnde Kompetenz verstanden und schaden so dem Image.

Ausserdem könnten potenzielle Bewerber schnell wieder abspringen, wenn sie zu lange auf eine Antwort warten müssen. Viele grosse Unternehmen unterhalten mittlerweile ganze Social-Media-Abteilungen, die ihre Aktivitäten im Netz aus diesen Gründen kontinuierlich betreuen.

Konzertiertes Werben auf allen Online-Kanälen

Einige Firmen stärken mit regelrechten Rekrutierungskampagnen über alle digitalen Kanäle hinweg ihr Employer Branding. So versuchen sie, leichter Fachkräfte zu finden und an sich zu binden.

Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Mehr Zeit“, mit dem das Finanzdienstleistungsunternehmen Swiss Life Select nach Finanzberater-Nachwuchs sucht. Die Unternehmenstochter von Swiss Life will mit der Kampagne nicht nur Finanzfachleute ansprechen, sondern auch Quereinsteigern eine neue berufliche Perspektive bieten.

Die Kurzvideos von Swiss Life Select laufen seit Herbst vergangenen Jahres nicht nur auf Facebook und Instagram, sondern auch auf LinkedIn, Kununu, YouTube und Xing. Zusätzlich finden sie via E-Mail Verbreitung. Gleichzeitig werden filmische Porträts von Mitarbeitenden veröffentlicht, welche die Aussagen der Swiss Life Select-Recruiting-Kampagne aufgreifen und unterstützen.

Die Vorteile des Social Recruitings

Die Suche nach geeigneten Fachkräften in sozialen Netzwerken wird für Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Sie können auf diese Weise aktiv und ohne grossen Aufwand nach geeigneten Kandidaten suchen, anstatt darauf zu hoffen, dass die gesuchte Fachkraft schon irgendwie auf die eigene Online-Stellenanzeige aufmerksam wird. Dabei wird auch das Interesse von Fachkräften geweckt, die eigentlich gar keinen neuen Job suchen.

Ein weiterer Vorteil ist das Tempo: Eine kurze Stellenanzeige ist schnell gepostet. Erste Reaktionen lassen meist nicht lange auf sich warten, oft treffen Bewerbungen schon nach wenigen Stunden ein.

Unternehmen müssen dafür nur wenig berappen: Das Posting der Anzeige kostet in der Regel nichts. Es fällt lediglich die Arbeitszeit des Mitarbeitenden an, der die Social Media-Aktivitäten der Firma betreut.

 

Titelbild: Wright Studio – shuttterstock.com

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